Kalorienverbrauch beim Eisstockschießen

Eisstockschießen gilt in Bayern als geselliges Wintervergnügen, irgendwo zwischen Volkssport und Après-Ski-Unterhaltung. Was die meisten dabei unterschätzen: Wer eine Stunde lang Eisstöcke schmeißt, Scheiben liest, über die Bahn läuft und sich dabei in Gleichgewicht und Technik übt, verbrennt spürbar mehr Kalorien als beim gemütlichen Spaziergang. Die Frage ist nur wie viel genau und wovon das abhängt.

Was passiert körperlich beim Eisstockschießen?

Der Sport kombiniert mehrere Belastungsformen. Beim Abwurf spannt sich die gesamte Rumpfmuskulatur an, Schulter, Arm und Hüfte arbeiten koordiniert zusammen. Zwischen den Würfen läuft man auf der Eisfläche, hält das Gleichgewicht auf glattem Untergrund und bückt sich wiederholt, um den Stock aufzuheben. Das klingt harmlos, summiert sich über eine Spielrunde von 45 bis 90 Minuten aber zu einer konstanten Grundbelastung.

Hinzu kommt ein Faktor, der oft vergessen wird: Kälte. Der Körper muss bei niedrigen Außentemperaturen mehr Energie aufwenden, um die Kerntemperatur zu halten. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann das den Gesamtverbrauch um fünf bis zwölf Prozent steigern, verglichen mit derselben Aktivität in warmer Umgebung.

Konkrete Kalorienverbrennung: Zahlen mit Kontext

Eine pauschale Zahl gibt es nicht, weil Körpergewicht, Intensität und Spielmodus stark variieren. Als grobe Orientierung gelten folgende Werte pro Stunde:

  • 70 kg Körpergewicht: circa 200 bis 280 Kalorien
  • 85 kg Körpergewicht: circa 240 bis 340 Kalorien
  • 100 kg Körpergewicht: circa 280 bis 400 Kalorien

Diese Spanne ergibt sich daraus, wie aktiv man tatsächlich ist. Wer sich zwischen den Würfen viel bewegt, auf der Bahn mitläuft und nicht dauerhaft an der Bande lehnt, landet eher am oberen Ende. Ein lockeres Freizeitspiel mit vielen Pausen liegt entsprechend darunter.

Zum Vergleich: Normales Gehen verbrennt bei 80 kg rund 240 Kalorien pro Stunde, leichtes Radfahren etwa 300. Eisstockschießen bewegt sich also in einem ähnlichen Korridor wie moderates Ausdauertraining, ohne dass es sich so anfühlt.

Eisstockschießen in München: Praxisbedingungen

München ist eine der Hochburgen des Sports. Wer das Spiel in der Stadt ausprobieren möchte, findet gut zugängliche Bahnen im Olympiapark. Das Eisstockschießen in München auf der dortigen Anlage läuft saisonal von November bis März und richtet sich ausdrücklich auch an Gruppen ohne Vorerfahrung. Das ist relevant für die Kalorienfrage: Anfänger machen mehr Fehlwürfe, laufen öfter zur Scheibe und sind insgesamt aktiver als routinierte Spieler, die mit weniger Aufwand präziser schießen.

Auf einer klassischen Bahn mit vier Spielern pro Seite kommt jede Person im Schnitt auf 16 bis 24 Würfe pro Partie. Bei einer Spielzeit von 60 Minuten bedeutet das etwa alle zwei bis drei Minuten einen aktiven Einsatz. Dazwischen geht man, steht, beobachtet und friert im besten Fall ein bisschen, was den Grundumsatz zusätzlich ankurbelt.

Was den Verbrauch wirklich beeinflusst

Spielmodus und Intensität

Beim Mannschaftsspiel mit Taktik und häufigem Positionswechsel auf der Bahn ist der Verbrauch höher als beim lockeren Freizeitspiel. Wer turniermäßig spielt, sammelt auch zwischen den Würfen Schritte, weil er Scheibenpositionen ausläuft und diskutiert, was regelmäßig mit weiteren 20 bis 30 Metern Fußweg pro Runde verbunden ist.

Untergrund und Schuhwerk

Auf natürlichem Eis mit leichtem Schneebelag arbeitet die Beinmuskulatur deutlich mehr als auf glattem Kunsteis. Auch das Schuhwerk spielt eine Rolle: Winterstiefel mit grobem Profil erfordern mehr Krafteinsatz beim Gehen als leichte Sportschuhe mit Spikes.

Dauer und Pausen

Eine einzige Partie reicht selten für nennenswerte Effekte. Wer zwei bis drei Partien hintereinander spielt, also 90 bis 120 Minuten aktiv ist, kommt bei 80 kg auf 360 bis 550 Kalorien. Das entspricht einem soliden Trainingsreiz und übertrifft viele kurze Gym-Einheiten, die ebenfalls um diese Werte kreisen.

Eisstockschießen als ergänzende Bewegungsform

Es wäre übertrieben, Eisstockschießen als gezieltes Fettstoffwechseltraining zu bezeichnen. Der Puls bleibt im mittleren Bereich, Spitzenbelastungen gibt es kaum. Was der Sport aber bietet, ist eine Form der Alltagsaktivität, die sich nicht wie Sport anfühlt. Das ist ein echter Vorteil, besonders für Menschen, die im Winter bewegungsärmer werden und Schwierigkeiten haben, sich zu regelmäßigem Training zu motivieren.

Koordination, Gleichgewicht und Rumpfstabilität werden nebenbei trainiert. Wer drei- bis viermal pro Saison Eisstockschießen geht, verbrennt über die gesamte Wintersaison gerechnet zwischen 2.000 und 4.000 zusätzliche Kalorien. Das klingt wenig, ist aber mehr als gar keine Bewegung und deutlich mehr als die meisten mit dieser Freizeitaktivität verbinden würden.

Was nach dem Spiel zu beachten ist

Ein häufiger Fehler: Nach dem Eisstockschießen zieht die Gruppe in eine Gaststätte und kompensiert den Kalorienverbrauch mehrfach. Ein Halber Liter Bier hat etwa 215 Kalorien, eine Portion Obazda mit Brot rund 400. Wer nach der Partie also zwei Bier und eine kleine Brotzeit zu sich nimmt, liegt schnell bei 800 bis 1.000 Kalorien, was den gesamten Verbrauch des Abends überschreitet.

Das ist keine Warnung gegen den geselligen Teil, der zum Sport dazugehört. Es ist einfach eine ehrliche Einordnung: Eisstockschießen verbrennt Kalorien, aber nicht so viele, dass die Nachher-Verpflegung keine Rolle mehr spielen würde. Wer den Sport als Teil eines aktiven Lebensstils versteht, fährt damit besser als jemand, der ihn als Freifahrtschein für die Abendkarte betrachtet.

Als Winterbewegung mit sozialer Komponente, moderatem Kalorienverbrauch und niedrigen Einstiegshürden ist Eisstockschießen eine sinnvolle Ergänzung, gerade in einer Stadt wie München, die dafür die nötige Infrastruktur bietet.