Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2026
Optionen sind eines der mächtigsten, aber auch komplexesten Finanzinstrumente. Sie bieten Möglichkeiten, die mit klassischen Aktien nicht erreichbar sind — Absicherung gegen Verluste, regelmäßiges Einkommen durch Prämienvereinnahmung oder gezielte Spekulation mit kalkuliertem Risiko. In Österreich ist der Optionshandel zwar nicht so verbreitet wie in den USA, aber für ernsthaft interessierte Privatanleger durchaus zugänglich. Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Grundlagen.
Was Optionen sind
Eine Option ist ein Vertrag, der dem Käufer das Recht — aber nicht die Verpflichtung — gibt, einen bestimmten Basiswert zu einem festgelegten Preis innerhalb einer bestimmten Zeit zu kaufen oder zu verkaufen. Genau dieses “Recht ohne Verpflichtung” macht Optionen einzigartig.
Zwei Hauptarten werden unterschieden. Call-Optionen geben das Recht zu kaufen — wer eine Apple-Call-Option mit Strike 200 Dollar besitzt, darf eine Apple-Aktie für 200 Dollar erwerben, auch wenn der Marktpreis bei 250 Dollar liegt. Put-Optionen geben das Recht zu verkaufen. Mit diesen beiden Bausteinen lassen sich praktisch alle Optionsstrategien aufbauen, von einfachen Spekulationen bis zu komplexen Absicherungen.
Die Besonderheiten in Österreich
Der Optionshandel ist in Österreich vergleichsweise wenig verbreitet — nicht weil er hier nicht möglich wäre, sondern weil die Bewerbung und das Angebot bei klassischen österreichischen Brokern lange Zeit eingeschränkt waren. Über internationale Broker wie Interactive Brokers, LYNX oder Captrader ist der Optionshandel aber problemlos zugänglich, auch für österreichische Kunden.
Steuerlich gibt es Besonderheiten. Optionsgewinne in Österreich werden anders behandelt als reine Aktiengewinne. Sie fallen meist unter die Einkünfte aus Spekulationsgeschäften und unterliegen dem persönlichen Einkommensteuersatz statt der pauschalen KESt von 27,5 Prozent. Bei höheren Einkommen kann das einen erheblichen Unterschied machen. Eine ausführliche Übersicht zur steuerlichen Behandlung von Optionen für österreichische Anleger bietet Finanzradar mit Praxis-Beispielen und Berechnungen.
Die wichtigsten Optionsstrategien für Anfänger
Für Optionseinsteiger eignen sich vor allem zwei Strategien. Erstens: Long Call. Hier kauft der Trader eine Call-Option in der Erwartung, dass der Basiswert steigt. Das maximale Risiko ist klar begrenzt — die gezahlte Prämie. Der maximale Gewinn ist theoretisch unbegrenzt, je höher der Basiswert steigt, desto höher der Gewinn.
Zweitens: Covered Call. Wer eine Aktie besitzt, kann eine Call-Option auf diese Aktie verkaufen. Dafür erhält er sofort eine Prämie. Wenn der Aktienkurs nicht über den Strike steigt, bleibt die Prämie als Zusatzgewinn. Steigt der Kurs über den Strike, muss die Aktie zum Strike-Preis verkauft werden — der Trader macht Gewinn (Differenz zwischen Einstiegspreis und Strike) plus Prämie. Diese Strategie funktioniert besonders gut in Seitwärtsmärkten als zusätzliche Einkommensquelle.
Die Optionspreisfaktoren
Was eine Option kostet, hängt von mehreren Faktoren ab. Erstens: der innere Wert (intrinsic value). Eine Call-Option mit Strike 100, wenn der Aktienkurs bei 110 steht, hat einen inneren Wert von 10 Euro. Liegt der Strike über dem Kurs, ist der innere Wert null — die Option ist “aus dem Geld”.
Zweitens: der Zeitwert. Je länger die Option läuft, desto höher der Zeitwert — denn umso mehr Zeit hat der Kurs, sich zu bewegen. Der Zeitwertverlust beschleunigt sich in den letzten Wochen vor dem Verfall. Drittens: die implizite Volatilität. Je stärker eine Aktie schwankt, desto höher die Optionsprämie. Bei volatilen Aktien wie Tesla sind Optionen deutlich teurer als bei stabilen Werten wie Coca-Cola.
Die häufigsten Anfängerfehler
Drei Fehler tauchen bei Optionseinsteigern besonders häufig auf. Erstens: Kauf zu kurzlaufender Optionen. Wer Optionen mit ein oder zwei Wochen Restlaufzeit kauft, kämpft gegen einen massiven Zeitwertverlust. Selbst wenn der Markt sich in die richtige Richtung bewegt, reicht das oft nicht aus.
Zweitens: weit aus dem Geld liegende Optionen kaufen. Diese “Lottoscheine” kosten zwar wenig, verfallen aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wertlos. Drittens: zu konzentrierte Positionen. Wer 30 Prozent seines Kapitals in eine einzige Option steckt, ignoriert die hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese wertlos verfallen kann. Optionen sollten als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio eingesetzt werden — nicht als Hauptinvestment.
Empfehlung für Optionseinsteiger
Wer mit Optionen in Österreich starten möchte, sollte folgende Reihenfolge beachten. Erstens: ausführliches theoretisches Wissen aufbauen. Drei bis sechs Monate Selbststudium mit guten Büchern (klassisch ist “Options as a Strategic Investment” von Lawrence McMillan) sind realistisch.
Zweitens: im Demokonto die wichtigsten Strategien testen. Long Call, Long Put, Covered Call — diese drei Basis-Strategien sollten in einem Demokonto über mehrere Wochen ausprobiert werden. Drittens: mit kleinen Beträgen im echten Depot starten. Höchstens 5 Prozent des Gesamtportfolios sollten zu Anfang in Optionspositionen fließen. Viertens: realistische Erwartungen. Auch erfahrene Optionstrader haben Trefferquoten unter 60 Prozent — das System funktioniert durch das Verhältnis von Gewinnen zu Verlusten, nicht durch hohe Erfolgsquoten. Wer das versteht und diszipliniert vorgeht, kann Optionen langfristig als nützliche Werkzeuge im eigenen Portfolio einsetzen.